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Lilly "FIT im Dialog" im Mittelpunkt steht der Patient Healthcare
Lilly „FIT im Dialog“ (Healthcare)

 

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Bayerisches Zahnärtzeblatt Alter Patient - (K)ein Grund zur Sorge, Beitrag Dr. Hanne Meyer-Hentschel DOWNLOAD
Beitrag von Dr. Hanne Meyer-Hentschel (Healthcare)

 

The Guardian
The Guardian (Englisch) (Healthcare)

Alter Patient: (K)ein Grund zur Sorge

Einflüsse des Alterns auf die Patientenrolle

 

Ein Beitrag von Dr. Hanne Meyer -Hentschel im Bayerischen Zahnärzteblatt

[Auszug]

Bereits ab dem zwanzigsten Lebensjahr beginnen die organischen Abbauprozesse – der Anfang ist langsam und vor allem kaum merklich. So nehmen wir das Altern erst ab etwa dem sechzigsten Lebensjahr bewusst wahr und können uns in jüngeren Jahren häufig nicht in die Probleme und Schwierigkeiten älterer Menschen hineinversetzen. Der nachfolgende Beitrag zeigt einen Lösungsansatz, um nachhaltig das ganze Praxisteam auf die Patientengruppe über 60 einzustellen.

Das Deutsche Kundenbarometer misst jedes Jahr die Zufriedenheit der Deutschen mit Produkten und Dienstleistungen. Viele der gewonnenen Erkenntnisse sind für die zahnärztliche Tätigkeit zu beachten und dabei zwei wichtige Fakten nicht zu übersehen: Erstens haben gerade ältere Menschen höhere Ansprüche an persönliche Dienstleistungen als jüngere. Dies wird bei den zukünftigen Senioren noch ausgeprägter sein. Zweitens: Über 90 Prozent aller Deutschen erwarten, dass auf die Bedürfnisse älterer Menschen speziell eingegangen wird. Anlass genug für jeden Praxisinhaber, zu überlegen, auf welche Weise im Praxisalltag der Service für ältere Patienten verbessert werden kann.

Am Anfang steht eine genaue Beschäftigung mit der Patientengruppe und ihren Besonderheiten. Je mehr man über sie weiß, desto besser kann man sie betreuen und versorgen. Unsere Gesellschaft ist nach wie vor mit Regeln ausgestattet, als gäbe es nur wenige Ältere und keinen altersstrukturellen Wandel. Weitgehend ignoriert werden auch die Potenziale, die sich aus der (neuen) aktiven dritten Lebensphase zwischen 60 und 80 oder sogar 90 Jahren ergeben. Für alle, die in der medizinischen Versorgung tätig sind, wird es immer wichtiger, ältere Patienten – mit ihren Bedürfnissen und Kapazitäten, ihren physischen, mentalen und psychischen Fähigkeiten, ihren veränderten Anforderungen und ihren neuen Ansprüchen – in den Mittelpunkt der Überlegungen zu stellen.

 

Stärken und Schwächen des Alters (Healthcare)

 

Alter wird häufig scherzhaft mit Alzheimer gleichgesetzt. Das ist gefährlich, wenn man ältere Patieneingestellt: Von ihnen verbinden nur 11 Prozent das Alter mit diesen negativen Aspekten. Die Antwort hängt dabei weniger vom tatsächlichen Alter als vom Lebensgefühl ab. Eine positive Selbstwahrnehmung führt zu einer positiveren Wahrnehmung des Alters [2].

Ein in diesem Zusammenhang beachtenswerter Punkt ist die steigende Zahl der Älteren, die psychisch aufreibende Jobs erledigen. Vielleicht komme ihnen dabei Fähigkeiten zugute, die während des menschlichen Reifeprozesses immer ausgeprägter werden:

· Ausgeglichenheit und Beständigkeit,
· Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein,
· Sicherheitsbewusstsein,
· Erfahrung und menschliche Reife,
· Harmoniebedürfnis,
· Bedürfnis nach Selbstständigkeit,
· Urteilsvermögen.

Diese Stärken kompensieren in vielen Fällen die Fähigkeiten, die im Alter konstant bleiben oder sich verringern:

· geistige Beweglichkeit und Umstellungsfähigkeit,
· Reaktionsvermögen in komplexen Situationen,
· Abstraktionsvermögen,
· Kurzzeitgedächtnis,
· Risikobereitschaft.

 

Physische Veränderungen und ihre Konsequenzen

 

Auch wenn die Lebenserwartung zunimmt und die Menschen länger fit bleiben – der natürliche Alterungsprozess lässt sich nur in Grenzen aufhalten. So nehmen die Sinnesleistungen vieler Menschen im Laufe der Jahre ab. Hier ist eine große Variabilität zwischen den Menschen zu beobachten. Die nachfolgenden Informationen stellen eine Durchschnittsbetrachtung dar.

 

Sehen

Im Laufe des Lebens kann mit einem Verlust der Sehschärfe bis zu 80 Prozent gerechnet werden. Die Verringerung der Sehschärfe ist im Nahbereich besonders gravierend. Durch eine nachlassende Elastizität der Linse des Auges verringert sich die Akkomodationsfähigkeit. Der Nahpunkt des Auges verschiebt sich in die Ferne. Ab dem Alter von etwa 40 Jahren macht sich dies störend im Alltag bemerkbar. Für die Patientenrolle birgt das Handicap eine Reihe von Problemen, mit denen man sich systematisch und intensiv auseinandersetzen sollte. Man darf nicht davon ausgehen, dass jeder Patient seine Alterssichtigkeit angemessen korrigiert beziehungsweise jeder Situation entsprechend eine Brille dabei hat.

Überlegungen für die Praxis
Zahnärzte und ihre Praxisteams sind gut beraten, bei ihren älteren Patienten mit Sehproblemen im Nahbereich zu rechnen. Nicht jeder Patient greift zur Lesebrille oder macht darauf aufmerksam, dass er etwas nicht erkennen oder lesen kann. Erläuterungen für den Patienten oder Abstimmungsprozesse über Behandlungsvarianten können dadurch beeinträchtigt werden. Um eventuell einhergehende Schwierigkeiten zu vermeiden, sollte man zum Beispiel schriftliches Material in Großdruck bereithalten. Eine andere Möglichkeit: Lesebrillen zum Ausleihen (wie man sie in immer mehr Restaurants findet) könnten in patientenorientierten Arztpraxen zum Standard gehören.

 

Farbwahrnehmung

Von ähnlicher Bedeutung sind Veränderungen der Farbwahrnehmung. Man kann davon ausgehen, dass das Empfindungsvermögen für Farbtöne des gesamten Farbspektrums im Alter nachlässt. Dies gilt vor allem gegenüber blauen und grünen Farbtönen. Durch eine mehr oder weniger starke Trübung wird die Linse weniger lichtdurchlässig. Damit steht weniger Licht zur Verfügung, um die für die Farbwahrnehmung zuständigen Zapfen zu erregen. Neben einer Linsentrübung ist eine Verkleinerung der Pupille zusätzlich dafür verantwortlich, dass nicht mehr ausreichend Licht auf die Netzhaut gelangt, um eine präzise Farbwahrnehmung zu gewährleisten.
Außerdem färbt sich die Linse bei vielen Menschen im Alter gelblich. Dies ändert die spektrale Qualität der einfallenden Lichtwellen. Wellen aus dem Blau-Grün-Bereich werden absorbiert.

Überlegungen für die Praxis
Es liegt auf der Hand, dass diese Veränderungen des Farbensehens in der Zahnarztpraxis eine Reihe von Konsequenzen mit sich bringen. Viele Zahnärzte machen die Erfahrung, dass die Abstimmung der Zahnfarbe mit älteren Patienten nicht einfach ist. Aufgrund der veränderten Farbwahrnehmungwünschen sich die Patienten oft zu helle Zähne. Diese Zusammenhänge muss man kennen, um die Patienten in geeigneter Weise von der richtigen Farbe zu überzeugen.
Zusätzlich behindern die veränderte Farbwahrnehmung und die verringerte Sehschärfe im Nahbereich die Beobachtung von Veränderungen in der eigenen Mundhöhle oder an den Zähnen. Man kann als Zahnarzt nicht davon ausgehen, dass ein älterer Patient die eigene „Inspektion“ von Zunge und Wangenschleimhaut mit der notwendigen Präzision erledigt. Probleme, die man vorschnell als mangelnde Compliance einstuft, haben möglicherweise andere Gründe.

 

Hören

Der Hörsinn ist ähnlich wichtig wie der Sehsinn und für die soziale Einbindung notwendig. Für uns Mediziner hat der Hörsinn eine große Bedeutung, weil Sprache und akustische Signale für die erfolgreiche Interaktion mit dem Patienten unentbehrlich sind. Bei mindestens einem Drittel der über 60-Jährigen und bei mindestens der Hälfte der über 70-Jährigen liegen starke Höreinbußen vor, wobei diese von älteren Menschen oftmals unterschätzt werden [3].

Überlegungen für die Praxis
In der Praxis stellt sich das Problem, dass im Umgang mit einem Menschen nicht einfach festzustellen ist, wie gut er oder sie hört. Nur jeder Zehnte gibt sein Hörproblem zu. Am meisten verbreitet ist die nachlassende Empfindlichkeit für höhere Frequenzen. Die Kommunikation mit helleren weiblichen Stimmen wird zunehmend schwieriger – ein Manko, auf das es in der Zahnarztpraxis mit viel Rücksicht zu achten gilt, damit die Erklärungen und Anleitungen der Prophylaxeassistentin zur richtigen und konsequenten Mundhygiene auch von den älteren Patienten und Patientinnen sicher verstanden werden.

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